Discotheka tritt in eine neue Phase

Durch die Partnerschaft mit der Bibliothèque National de France, Radio France, der Cité de la Musique, den Forschungslabors Lirmm, EURECOM und Geriico sowie der Firma Ourouk im Rahmen des Projekts DOREMUS tritt Discotheka1 in eine neue Phase !

Voilà, die Gründungsmitglieder des Projektes Diskoteka:

- ein Soziologe, vormals Theaterfotograf, Musikwissenschaftler und Musikkritiker

- ein Manager und Architekt für moderne Informationssysteme, der aktuell Student der Business School von Chicago ist,

- ein Wissenschaftler aus Montpellier, der passionierter Liebhaber von traditionellen afrikanischen Trommeln ist und sich auf semantische Technologien spezialisiert hat und…

- ein Informatiker, der sich für Philosophie begeistert.

Trotz der Qualitäten des Teams und seines großen Potenzials startete Discotheka nicht unbedingt unter den besten Vorzeichen : Ein derartiges Projekt war schwer zu rechtfertigen in einer Zeit, in der die Vorherrschaft von Google jegliches Vorhaben in Richtung Forschungsprojekt illusorisch machte und die Bedürfnisse der Markteilnehmer mehrheitlich erfüllt schienen. Schwierig war es auch, eine Öffentlichkeit, die von der Leistungsfähigkeit bereits existierender Lösungen überzeugt war, für die Schwierigkeiten dieser Lösungen zu sensibilisieren. Schwierig zu finanzieren in einer Welt, in der die Tools den Endbenutzern kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen und nur die Zahl der User einen Return on Investment  garantieren kann.

Eine Internetrecherche zu erleichtern, indem man sich auf die umfassende Kenntnis der Objekte stützt -  deren Beschreibung und Kontextualisierung (die Verbindung zwischen Quartett und Kammermusik im Rahmen der klassische Musik zum Beispiel); in der Lage zu sein, Homonyme zu unterscheiden (z.B. auf Französisch : alto – Viola – und alto – Alt); die Suche in diversen europäischen Sprachen zu ermöglichen, ohne dass der User die Worte, die ein Titel enthält, separat übersetzen muss (z.B. die Begriffe Sonate und Klavier einer « Klaviersonate »); eine Verbindung herzustellen zwischen der Beschreibung einer konkreten Partitur und einer Playlist, um alle doppelten Einträge zu beseitigen (z.B. die 9. Symphonie von Beethoven als Partitur und die Symphonie in ihrer Interpretation aufgenommen von Deutsche Grammophon im Jahr 1983); diesen Teil der Interpretation wiederum in einer Radiosendung oder in einem Sammelalbum « Best of Karajan » eindeutig identifizieren zu können, kurz jede Materialisierung eines Werkes, das von Natur aus unfassbar ist, finden zu können (die ernste Musik treibt es wie den Fliegenden Holländer zwischen Verlagen, Kritikern, Urtext, Konzerten und Aufnahmen herum). All dies erschien im besten Falle utopisch, im schlechtesten Falle unnütz.

Alles in allem, konnte man das, was man suchte, mit etwas Aufwand nicht ohnehin finden? Und selbst für den Fall, dass man das Gewünschte nicht finden konnte, wer braucht schon eine derartige Präzision2 ?

Warum wir dieses Projekt bis zum heutigen Tag verfolgt haben, wird wohl selbst für unsere engsten Vertrauten immer ein Rätsel bleiben: Eigenfinanzierung, Jahre der Suche nach der geeigneten Form, ein zu komplexer Prototyp, um ihn mit einem derart kleinen Team verwirklichen zu können, an allen Ecken und Enden des Internets verstreute Musikkataloge, die ohne erheblichen technischen Aufwand nicht verwendbar sind… Die meisten hätten dem Projekt wohl adieu gesagt, um sich anderen Projekten zuzuwenden. Wir haben durchgehalten – und können uns nun herzlich gratulieren !

2013 war das Jahr des großen Auftriebs. Eine erste, hart erkämpfte Projektpartnerschaft mit INRIA hat es uns ermöglicht, wertvolle Daten zu bearbeiten : Mit Anfang September 2014 werden an die 74.000 Werke des klassischen Repertoires zugängich sein, ebenso viele virtuelle Karteikarten, die von Spezialisten in Hinblick auf ihre individuele Bedürfnisse zusätzlich befüllt werden können (z.B. eine Unterteilung der 9. Symphonie von Beethoven in 11 Teile, in Übereinstimmung mit der Unterteilung von Karajan/EMI).

Folgen werden nun Jahre einer Forschungszusammenarbeit mit unseren neuen Projektpartnern. Unser Projekt hat das Ziel, die Beschreibungsmodelle zu verbessern, die von den großen Institutionen, die kulturelles Erbe verwalten, verwendet werden (FRBOO). Die Daten sollen so für das semantische Web verwendbar gemacht werden und die Öffentlichkeit soll einen unterschiedlichen Zugang zu diesen Daten erhalten, je nach Bedürfnissen der jeweiligen User basierend auf dem empirischen Wissen, das über den jeweiligen User besteht. Die Nutzung der Daten soll sowohl im Kontext B to B wie B to C möglich sein. So können Empfehlungsmodule künftig auf zweifachem Wissen aufbauen : dem Wissen über die Musik und dem Wissen über die, die auf diese Musik zugreifen.  Dies bedeutet eine neue Dynamik für  die einschlägigen Websites und für die Wissenschaftler, die der “Theory of the Long Tail” anhängen3 – sie können ihre These jetzt untermauern, da die Schaffung neuer Verkaufsmodelle so erleichtert wird4.

Mathias Heizmann

Französische Fassung

  1. Auf dieser Website finden Sie eine Demonstration der Moeglichkeiten des Projekts Discotheka – ab  29’30  : Discotheka in 1st Classical Music Hack Day []
  2. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserem Presentations Video mit englischen Untertiteln: Pourquoi le web semantique ? []
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/The_Long_Tail/ []
  4. Will man Huber Guillaud Glauben schenken, dann hat sich mit der Konzentration des Verkaufs virtueller Waren auf einige wenige, weltweit agierende Akteure ein weltweites « Bestsellertum » etabliert. 2011 wurden 80% der virtuellen Ware mit 23% der verfügbaren Titel erreicht, 2014  bereits mit 14%. […] Das faktische Monopol einiger weniger Akteure, Empfehlungsmodule, die nach den mehr oder weniger gleichen Kriterien funktionieren, und das Fehlen redaktioneller Vorgänge und einer vernünftigen Auswahl auf den meisten Verkaufswebseiten seien die Hauptfaktoren für diese Flucht nach vorne. Hubert Guillaud, « Pourquoi la longue traîne ne marche pas ? » []
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